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Das Bunzlauer Keramikmuseum - Abteilung für Stadtgeschichte

Die Zeche – der Stadtpark auf einer Ansichtskarte vom Anfang des 20 Jh.

Die Abteilung für Stadtgeschichte wurde 1995 eröffnet, nachdem das Keramikmuseum das Gebäude des von den Russen verwalteten Kutusow-Museums übernommen hatte. Hier wurden Sonderausstellungen veranstaltet, die ausgewählte Probleme aus der Vergangenheit der Stadt veranschaulichten. 2009 wurde hier eine ständige Ausstellung eröffnet, die den wichtigsten Ereignissen und Momenten in der Geschichte Bunzlaus gewidmet ist. Die größte Aufmerksamkeit gilt hier dem alten Handwerk.Bereits vor der Aussetzung der Stadt waren die Anfänge Bunzlaus mit den in dieser Gegend schürfenden Goldsuchern verbunden. Gegen Ende des 12. Jh. gründeten diese eine Siedlung mit der Nicolaikirche. Nach der Lokation Bunzlaus bildete diese Siedlung die Nicolaivorstadt. Das Gelände, auf dem nach Gold geschürft wurde, liegt südlich der Stadt, in dem jetzigen Städtischen Wald. Hier wurden bei archäologischen Untersuchungen Überbleibsel von Abbauräumen und Schächten gefunden. Die Lagerstätten waren sekundäre Schichten von Flussablagerungen und waren mit den Flözen in der Umgebung von Löwenberg (Lwówek) und Goldberg (Złotoryja) in Verbindung. Das Gold wurde durch Auswaschen in Schüsseln oder Wäschern gewonnen. Um die Mitte des 13. Jh. endete die Goldgewinnung. Die Ursachen dafür waren der immer geringere Goldgehalt in den Flözen und der Tod der meisten Bergleute bei der Schlacht auf den Feldern von Wahlstatt (Legnickie Pole) im Jahre 1241.

Luftbild der Altstadt, Aufnahme von 200

Im Mittelalter entwickelte sich das Bunzlauer Handwerk dynamisch. Im 15. Jh. gab es hier schon 16 Zünfte. im 16. Jh. blühten neben der Töpferei, die bereits damals zur Visitenkarte der Stadt geworden war, die Leinweberei, die Garnspinnerei und die Weberei. Allein in der Stadt befassten sich damals etwa 700 Personen mit Verarbeitung von Textilien. Einen plötzlichen Einbruch der Konjunktur verursachte der Dreißigjährige Krieg, die Anzahl der Zünfte schrumpfte drastisch. Im Jahre 1656 waren nur 16 Tuchweber, 12 Leinweber und 1 Steinmetz verzeichnet. Aber gegen das Ende des 17. Jh. began sich die Lage rasch zu bessern. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. entstanden die ersten Manufakturen. Gegen Ende des 18. Jh. waren 5 Fabriken tätig, die Wollstoffe, Seidenschleifen, Tuche, Perkal produzierten sowie Leder gerbten. Zur Versorgung der Seidenfabrik wurden in der stadt Maulbeerbäume angepflanzt und Seidenraupen gezüchtet. Im 19. Jh. gründete Samson Woller in Bunzlau die florierende Wollspinnerei und Weberei „Concordia“. In der schweren Zeit während des II. Weltkrieges konnte das Werk nur weiter funktionieren, indem es Ersatzstoffe wie Ziegen-, Menschenhaar und Papier verwendete. In der Zwischenkriegszeit erlebte das Werk einen Aufschwung – im Jahre 1925 beschäftigte die Concordia 1000 Arbeiter, die 30 000 Spindeln bedienten.

Der Große Topf von Meister Joppe aus dem Jahre 1753,
Aufnahme von 1893

Die Umgebung der Stadt ist reich an Lagerstätten hochwertigen Sandsteins. Dieser wurde jahrhundertelang dank seiner chemisch-physikalischen Eigenschaften als Baustoff abgebaut und verwendet, wodurch sich das Steinmetzhandwerk entwickelte. Der größte Betrieb dieser Branche war die 1872 gegründete Firma „Zeidler & Wimmel“. Den von ihr geförderten und bearbeiteten Sandstein findet man an der Fassade des Reichstagsgebäudes, des Domes und der Universität in Berlin, am Eisenbahnbahnhof in Danzig (Gdańsk), der Ostbank in Königsberg und am Rathaus von Rotterdam. Ein weiterer Betrieb dieser Art gehörte Hugo Andreas, später Julius Wymetal – er lieferte den Rohstoff für das steinmetzdekor von Schloss Fürstenstein (Zamk Książ), für den Brunnen in der Altstadt von Grünberg (Zielona Góra), für die Trinkhalle in Bad Salzbrunn (Szczawno Zdrój), für die Skulpturen im Olympiastadion in Breslau (Wrocław) und auch für die Verschalungen der Autobahnbrücken auf der Strecke Bunzlau-Breslau.

Die „Concordia“- Spinnerei, Ansichtskarte, dreißiger Jahre 20. Jh.
Bildhauerwerkstatt im Betrieb Zeidler & Wimmel,
Abb. Vom Anfang des 20. Jh.
Bildhauerwerkstatt im Betrieb Zeidler & Wimmel, Abb. vom Anfang des 20. Jh.
Am Spinnrad, Aufnahme aus der I. Hälfte des 20. Jh.