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Das Bunzlauer Keramikmuseum

Gebäude des Keramikmuseums, ul. Mickiewicza 13

Das städtische Museum zu Bunzlau wurde 1908 gegründet und drei Jahre später den Besuchern zugänglich gemacht. Den II. Weltkrieg überstand nur das Museumsgebäude. Die Sammlungen gingen verloren. Die Nachkriegstätigkeit im Museum began am 27. Dezember 1953 mit Ausstellungen, die von dem damaligen Schlesischen Museum (heute Nationalmuseum) in Wrocław (Breslau) vorbereitet wurden. Nach einer umfassenden Renovierung wurde das Museum 1967 als Keramikmuseum wieder eröffnet. Für die Wahl der Spezialisierung war die Tradition des Handwerks von Bunzlau entscheidend, einer Stadt, die jahrhundertelang für ihre hochwertigen Tonwaren berühmt war.

Detail eines Kruges mit Dekorauflagen, Anfang des 17. Jh.

Es ist anzunehmen, dass die Anfänge der Bunzlauer Töpferei mindestens in die Zeit der Aussetzung der Stadt zurückreichen, obwohl die ersten urkundlichen Erwähnungen erst von 1380 stammen. 1511 wurde die Bunzlauer Töpferzunft erwähnt, die jedoch bereits viel früher bestanden haben muss. Bei archäologischen Untersuchungen in Bunzlauer Vorstädten konnte eine der fünf alten städtischen Töpfereien lokalisiert werden. Es wurden fast 2 m tiefe Gruben mit Produktionsabfällen freigelegt. Sie waren schichtenweise mit Keramik vom Ende des 15. bis zur Mitte des 17. Jh. angefüllt. Unter den gefundenen Gegenständen befinden sich die ältesten der heute bekannten Erzeugnisse der Bunzlauer Keramik. Es sind zum größten Teil Gefäße mit breitem Rand, auf der Töpferscheibe gedreht (damals waren hölzerne, vierstängige Töpferscheiben mit Fußantrieb im Gebrauch).

Archäologischer Fundort in Bunzlau zwischen der Sandstr. (ul. Piaskowa) und der Bornstr. (ul. Mała), Juli 2007

Die Gefäße wurden in oxidierender Atmosphere gebrannt. Ein Teil der Gefäße ist unglasiert, der andere Teil zeigt im Inneren der Gefäße gelbe, olivgrüne und grüne Glasuren. Die Gegenstände wurden in kuppelförmigen Doppelkammeröfen mit vertikalem Flammenzug gebrannt. Die Öfen wurden für jede Charge jedes Mal aufs Neue aus Ziegeln aufgebaut. im 16. Jh. gelang es die Brenntemperatur zu erhöhen, wodurch die Gefäße dünnwandiger und von außen glasiert werden konnten. Die Bunzlauer Tonwaren wurden anfänglich mit Riefen, Rändeln oder Stempelprägung verziert. Im 17. Jh. erschienen Gefäße mit plastischen Auflagen mit religiösen oder floralen Motiven, mit Medaillons, Puttenköpfen und Rosetten.

Gerippte Steinzeugkrüge mit Zinndeckeln, Lehmglasur, Bunzlau, I. Hälfte 18. Jh.

Die Farbskala der Glasuren erweiterte sich um Kobaltblau. Um die Gefäße haltbarer zu machen, wurden ihre Füße und Ränder mit Zinn eingefasst. Aus Zinn wurden auch Gefäßdeckel gefertigt. In der ii. Hälfte des 17. Jh. kamen neue Typen von Gefäßen auf: melonenförmige Flaschen und Krüge mit gerippten Bauchungen, die mit einer glatten, glänzenden, braunen oder grünen Lehmglasur überzogen waren. Gegen Ende des 18. Jh. vergrößerte sich das Bunzlauer Sortiment u. a. um Kaffee- und Teekannen, Milchkännchen und Milchtöpfe, kleine Krüge und Dosen. Ferner verbreiterte sich eine neue Dekortechnik: auf braun glasierte Gefäße wurden in Formen hergestellte Auflagen (Pflanzenmotive, Blumen, Wappen, religiöse oder figürliche Motive) aus weißem Ton aufgebracht.

Steinzeugvase mit schabloniertem Spritzdekor aus dem Werk von J. Paul & Sohn, Bunzlau, dreißiger Jahre des 20. Jh.

Diese Dekorart war bis zum Ende des 19. Jh. in der Produktion führend, obwohl man damals versuchte, auch andere Muster einzuführen. Zur Zeit des Klassizismus entwarf der Breslauer Professor Carl Bach eine Reihe von Gefäßen in „etruskischem“ Stil für das Bunzlauer Zentrum. Nur einer der Töpfer – Johann Gotthard der Jüngere – fertigte sie eine kurze Zeit lang an. In der ersten Hälfte des 19. Jh. konnte die Werkstatt von Johann Gottlieb Altmann eine Reihe von Erfolgen erzielen. Mit der Einführung der edlen, in hohen Temperaturen weiß ausbrennenden Steinzeugmasse in die Produktion und mit der Erfindung der bleifreien Feldspatglasur gelang ihm ein wichtiger technologischer Durchbruch. Die Gefäße, deren manche Elemente (Füße, Henkel) in Formen gepresst wurden, erhielten aus Carl Friedrichs Mustersammlungen entnommene Dekore in Form figürlicher Auflagen mit antiken Motiven und in antikem Stil. Das Bunzlauer Steinzeug ähnelte ihrem Aussehen und ihren Eigenschaften nach dem Porzellan.

Platte mit Stempeldekor aus dem Werk von J. Paul & Sohn, Bunzlau, um 1920

Gegen Ende des 19. Jh. kam in Bunzlau das Stempeldekor bzw. Schwämmeldekor auf, das zum Wahrzeichen der hiesigen Keramik der Gegenwart wurde. Auf weißem Untergrund wurden mit Schwämmchen (Stempeln) sich wiederholende Muster von Pünktchen, Rosetten oder geometrischen Formen geschaffen. Mit der Zeit wurden die Muster immer komplizierter: Pfauenaugen, Sternchen, Blüten. Auch die Farbskala verbreiterte sich – neben Kobaltblau kamen Chromgrün, Braun- und Ockertöne zur Anwendung. Ein neues Kapitel in der Entwicklung des Bunzlauer Tonzeugs erfolgte mit der Eröffnung der Königlichen Keramischen Fachschule im Jahre 1897. Unter der Leitung von Dr. Wilhelm Pukall aus Berlin und später von Kduard Berdel begann man die künftigen Töpfer sowohl im Bereich der Technologie als auch der Kunst und der Ästhetik zu unterrichten. Die althergebrachte Töpferscheibe wich der Gusstechnik. Es erschienen neuartige, oft avantgardemäßige Formen, Techniken und Dekormuster. Außer der veredelten Lehmglasur mit Vergoldungen wurde mit ausdrucksvollen Laufglasuren, Kristall- und Lüsterglasuren, mit Galvanisierungen, Glasurintarsien, Malereien mit dem Aerographen (Malhorn) und mit Mattglasuren experimentiert. Bald darauf kam die Aufspritztechnik mit Malhorn und Schablone zur Anwendung. Mit dem Pinsel trug man geometrische und abstrakte Muster auf. Zu der Zeit signierten immer mehr Töpferwerkstätten ihre Erzeugnisse mit einem in den Boden gepressten Zeichen oder Stempel. Mehrere Bunzlauer Hersteller nahmen willig die Zusammenarbeit mit der Keramikschule auf. Sie nutzten nicht nur die erarbeiteten Formen und Muster, sie machten sich auch das Wissen und die Erfahrung der Lehrkräfte zu nutzen. Diese Werkstätten entwickelten sich rasch. Ihre auf vielen Ausstellungen, Messen und Wettbewerben gezeigten und ausgezeichneten Erzeugnisse wurden zu exklusiver Ware, die man in der ganzen Welt schätzte. Oft waren es kurze Produktionsserien oder Einzelstücke der Künstler, echte Kunstwerke. Indem die Erzeugnisse aus den Werkstätten von Robert Burdack, Hugo und Ernst Reinhold, Julius Paul, Carl und Edwin Werner die handwerkliche Tradition mit den modernen Grundsätzen für Schönheit und Funktionalität verbanden, wurden sie zu einer besonderen „Visitenkarte“ Bunzlaus als einem bedeutenden Zentrum der Keramikherstellung.

Topf, beigefarbene Keramik, Bunzlau, 15./16. Jh.

Die Wiederaufnahme der Produktion in den Keramikwerken nach 1945 war ein schwieriger und langwieriger Prozess. Der erste Betrieb begann seine Tätigkeit dank dem engagement von T. Szafran, einem Keramiker, künstler und Professor an der Krakauer Kunstakademie (schule für Dekorkünste). Die Zusammenarbeit mit der Kunstakademie in Wrocław (Breslau) war die Gewähr dafür, dass das hohe künstlerische und technologische Niveau der Erzeugnisse aufrechterhalten werden konnte. Zu den verdientesten Nachkriegsprojektanten der Stadt gehören: I. Zdrzałka, A. Szurmińska-Krępowa, A. Różańska, B. Wolanin, J. Bany-Kozłowska und W. Matus. Die Künstler schufen zahlreiche neue, originelle Formen und Muster, griffen aber auch auf traditionelle zurück.

Steinzeugkrüge mit Dekorauflagen, Bunzlau, II. Hälfte 18. Jh.

Heute sind außer den großen Werken – der Genossenschaft für Kunstgewerbe „Kunstkeramik“und dem Keramikwerk „Bolesławiec” – in der Stadt und in ihrer Umgebung viele private Keramikwerkstätten in Betrieb. In ihrem breit gefächerten Angebot finden sich Keramikplastiken, Gebrauchs- und Tafelsteinzeug bis hin zu Keramikerzeugnissen für das Bauwesen – Tonwaren, die wie vor langer Zeit in der ganzen Welt gefragt sind. Seit 1963 finden in Bolesławiec alljährlich „Internationale Keramisch-Plastische Pleinairs“ statt, an denen sowohl bereits angesehene Künstler als auch begabte junge Keramiker aus verschiedenen Ländern teilnehmen.

Haushaltsgeschirr, Steinzeug mit Lehmglasur, Bunzlau, 19./20. Jh.
Kaffeekanne, Steinzeug mit Dekorauflagen mit dem Adam- und
Eva-Motiv -dem Symbol der Töpferzunft, Bunzlau,
II. Hälfte 18. Jh.
Steinzeuggefäße mit geflossenen Glasuren, Werk Reinhold & Co., Bunzlau, zwanziger Jahre des 20. Jh.
Anna Stawiarska, „Ziarnka” („KÖRNER“), Fragment der Ausstellung „Portret potrójny” („Dreifaches Porträt“), 2009 r.
Steinzeugvase, kristallische Glasuren; Form: B. Wolanin, Glasuren: A. Skowroński, siebziger Jahre des 20. Jh.