CZ PL DE

Das Riesengebirgsmuseum in Jelenia Góra (Hirschberg)

Gebäude des Riesengebirgsmuseums

Mit seinen Sammlungen bringt das Riesengebirgsmuseum in Jelenia Góra/Hirschberg dem Besucher verschiedene Aspekte der Geschichte sowie die kulturellen und künstlerischen Errungenschaften der Sudetenregion näher. Einen wesentlichen Teil der ethnografischen Sammlungen bilden mit der Faserstoffbearbeitung und der Webkunst verbundene historische Gegenstände: Webstühle, Spinnräder, Knickmaschinen zum Flachsbrechen, Spindelrocken, Garnwickler, Garnhaspeln, Flachsbürsten, Stempel zum Bedrucken von Stoffen und Ellenmaße. Sie präsentieren nicht nur alte Techniken der Faserstoffbearbeitung und der Webkunst in Niederschlesien. Sie zeugen auch von den großen Traditionen der Hirschberger Webkunst und der Leinenweberei. Ab der Mitte des 16. Jh. entwickelte sich die Stadt dynamisch zum Zentrum der Schleierweberei. Die Leinenschleier fanden nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika reißenden Absatz. sie machten die Stadt und ihre Bürger wohlhabend. Die 200 Jahre währende Blütezeit wurde nur durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen. Sie endete in der Mitte des 18. Jh., als Schlesien unter preußische Herrschaft kam und zur selben Zeit die billigeren englischen Webwaren aus mechanischen Webereien nach Schlesien importiert wurden. Zu den interessantesten Exponaten gehören zweifarbige Tischdecken mit realistischen Ansichten von Städten, Bauwerken und allegorischen Szenen.

Die Büste von Hugo Seydel, Holz, Cyrillo dell’ Antonio,
Bad Warmbrunn, 1920

Mit den Traditionen des Bergbaues und der Goldförderung verbundene Gegenstände aus den Anfängen Hirschbergs (13. Jh.) sind in einem Miniskansen für Bergbau und Hüttenkunde ausgestellt. Es sind Rekonstruktionen von einem Grubenschacht aus dem 15. Jh. und einer Goldwäscherei sowie die Replik eines Glasschmelzofens aus dem 14. Jh. Letztere zeigt, dass die im Hirschberger Tal hoch entwickelte Glasmacherei auch mittelalterliche Wurzeln hat.

Verlobungspokal, Schreiberhau, Josephinenhütte, um 1880-1885

Die vom Museum zusammengetragene Sammlung künstlerisch gestalteter Glasgegenstände zählt gegenwärtig ca. 7000 Exponate und gehört zu den wertvollsten in Polen. Ihre Vielfältigkeit lässt die Verwandlungen erkennen, die im Riesengebirge auf diesem Gebiet vorgingen. In der Kollektion überwiegen Gefäße, die manuell oder mechanisch aus verschiedenen Arten Glasmasse gefertigt und mit verschiedenen Mal- und Graviertechniken verziert wurden. Neben Kunstwerken enthält die Sammlung auch verschiedene Rohmaterialien und Schriften, die unterschiedliche Aspekte und Prozesse der Glasherstellung in den einzelnen Epochen dokumentieren.

Vase, Eleonorenhain, Wilhelm Kralik & Sohn, Böhmen, um 1902

Die große Vielfalt des alten Handwerks ist auch an der kollektion „Das Hirschberger Handwerk im 17. und 18. Jh.“ zu erkennen. Jene Zeit war „das goldene Zeitalter“ in der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Stadt. Außer Schaustücken aus der Webkunst werden nahezu 200 Exponate einer Kollektion von Zinngefäßen und Zinngegenständen sowie Erzeugnisse der Schmiedekunst präsentiert. Eine interessante Ergänzung der musealen Ausstellungen ist der Innenraum eines für das Riesengebirge typischen Bauernhauses – der wichtigste Teil des ethnografischen Mini-skansens. Das für die Region so typische, 1914 gebaute Umgebindehaus wurde mit Originalmöbeln aus dem 18. Jh., Gegenständen des Alltags und mit Hinterglasbildern ausgestattet. Besonders sehenswert sind die volkstümlichen Möbel, die in der für Niederschlesien charakteristischen art mit architektonischen und landschaftlichen Motiven vielfarbig verziert, oder auch mit einer Furnier imitierenden Malerei sowie Inschriften in Form von Monogrammen und Daten versehen sind. Zahlreich vertreten sind auch kleine Gebrauchsgegenstände, mit denen früher die ländlichen Haushalte ausgestattet waren – verschiedene Gefäße aus Dauben (Backtröge, Butterfässer, Handzuber, Eimer), Butterformen, Käsepressen, Körbe, Wäschemangeln, Waschmaschinen, Waschbretter, Beleuchtungsgeräte für das Hausinnere (Öllampen, Leuchter, Kienhalter, Scherenleuchter) und Uhren. Eine weitere Sammlung bilden hözerne Lebkuchenformen von verschiedener Gestaltung, Größe und Qualität der Ausführung aus dem 18. und 19. Jh. außer einteiligen Formen sind auch zweiteilige zu sehen, mit denen man vollplastische Figuren aus Lebkuchenteig formen konnte.

Vase, Jean Auguste, Paris, Frankreich, um 1900-1910

Im Besitz des Museums ist die in Polen größte kollektion volkstümlicher Hinterglasbilder. Die nahezu 1400 Bilder stammen aus dem 18., 19. und dem Anfang des 20. Jh. Ikonografisch und werkstattsmäßig sehr unterschiedlich – präsentiert die Sammlung die reichhaltigen Traditionen des böhmisch-schlesischen Grenzlandes in diesem Bereich volkstümlicher Malerei. außerdem enthält die Sammlung Hinterglasbilder aus Böhmen, der Slowakei und Deutschland.

Innenansicht der Bauernstube am Riesengebirgsmuseum
in Hirschberg
Hinterglasmalerei, Huldigung der hl. Drei Könige, Niederschlesien, Anfang der II. Hälft 19. Jh.
Truhe der Hirschberger Schützengilde, Holz, Schnitzereien, Polychromie, 1685
Frauenhaube, Niederschlesien, II. Hälfte 19. Jh.