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Das Riesen­gebirgsmuseum in  Jilemnice

Das Schloss in Jilemnice/Starkenbach in der Gestaltung aus dem Jahre 1895 hatte einen erhaltenen Renaissancekern aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Heute nutzt das Riesengebirgsmuseum die Räumlichkeiten des Schlosses

Das Riesengebirgsmuseum in  Jilemnice ist im Schloss und in den benachbarten Gebäuden des Schlossareals (in der alten Herrenbrauerei und dem barocken Beamtenhaus) untergebracht. Neben der Kavan-Galerie und einer Exposition, die den Anfängen des tschechischen Skilaufens gewidmet ist, bietet das Museum im Rahmen eines historisch – ethnografischen Blocks auch eine separate Exposition an, die verschiedene Handwerke darstellt.

in Krug mit der Aufschrift: „Foukaná w Nowým Světě
dne 25. Srpna od Jána hraběte z Harracha“ (Geblasen
in Neuwelt am 25. August von Johann, Graf von Harrach)

Jilemnice wurde als das wirtschaftliche Zentrum einer ausgedehnten Herrschaft gegründet und wurde gleichzeitig für lange Jahre zum Hauptzentrum des Handwerks des Westriesengebirges. Wir finden hier alle wichtigen Handwerke, welche zu einem einwandfreien Funktionieren so eines Dominiums unentbehrlich waren. Im Jahre 1654 hatte Jilemnice 53 Handwerksstätten, 100 Jahre später waren es bereits 88 Gewerbebetriebe und deren Zahl wuchs auch danach sehr schnell weiter.

Der Krug der Jilemnicer Zunft der Steinmetze,
Maurer und Zimmerleute. Kupfer, Zinn, 1770

Es ist nachgewiesen, dass hier schon im 16. Jahrhundert die Leinenproduktion sehr prosperierte. Deren Höhepunkt brachte die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert mit, wo sie dank der Grafen Harrach sowohl in der herrschaftlichen als auch der Untertanenebene einen rapiden Aufschwung nahm. Neben einer gräflichen Manufaktur entwickelte sich auch das Faktorei-System, repräsentiert hier durch einige wohlhabenden Stadtbürger. Ohne zu übertreiben: die Qualität der hiesigen Produkte erreichte Weltniveau und schaffte es, auch auf den entfernten Weltmärkten zu konkurrieren. Diese Tatsache belegen Muster des feinsten Leinengarns der Welt. Es stammt aus der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. 296 m manuell hergestellten Garns wiegen nur ein einziges Gramm! Die berühmte Textiltradition dokumentieren Textilmuster und –kataloge, sowie Beispiele der Herstellung von Weberschiffchen, ein manueller Webstuhl und verschiedene Werkzeuge zur Leinenverarbeitung. Zu den sehr wertvollen Zeugnisse des Übergangs von der manuellen zur maschinellen Produktion gehört einer der ersten teilweise mechanisierten Webstühle, hergestellt in England um 1830.

Der teilweise mechanisierte Webstuhl, ein Produkt der englischen Firma Hattersley & Sterberg – Keighley, um 1830

Eine breite Skala des hiesigen Handwerks zeigt neben den Exponaten des Schnitzer-, Schlosser-, Schreinerhandwerkes sowie der Wachsproduktion auch eine wertvolle Kollektion von Zunftgegenständen – Kassen, Krügen, Fahnen, Zunftbildern etc. Den wichtigsten Platz unter diesen Gegenständen nimmt eine Sammlung von 33 Zunfttotenschildern ein, welche zusätzlich noch um die Zunftfackeln ergänzt wird. Eine sehr schöne Gürtlerarbeit aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, ausgefertigt aus Samt und silbernem, teilweise vergoldetem Blech, stellt den größten Komplex seiner Art in der Tschechischen Republik dar.

Eines der Totenschilder der Jilemnicer Zunft
der Bäcker und Müller – die Brezel ist hier
das Symbol der Bäcker. Das Werk des Gürtlermeisters
Ambrož Erben, Samt, silbernes, teilweise vergoldetes
Blech, 1842

Besondere Aufmerksamkeit gilt in den Expositionen des Museums der nordböhmischen Glasproduktion. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Glashütte in Neuwelt (Nový svět), die im Jahre 1712 die Grafenfamilie Harrach gründete und natürlich auf den Anfängen der hiesigen Skiproduktion.

Einblick in die Möbel- und Keramikausstellung