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Das Museum von „Kargul und Pawlak“ in Lubomierz (Liebenthal)

Kargul- und Pawlak-Museum

Nach dem II. Weltkrieg wurde Lubomierz dank seiner einzigartigen städtebaulichen Werte und der landschaftlich schönen Lage zum Drehort für zahlreiche Filmproduktionen. Diese traditionen setzen das alljährlich veranstaltete Gesamtpolnische Komödienfestival (Ogólnopolski Festiwal Filmów Komediowych) und das hiesige Museum fort, das den Helden der beliebtesten polnischen Filmkomödie Kargul und Pawlak – gewidmet ist. Das Museum befindet sich in dem stattlichen „Leinwandhaus“, einem Zeugnis von den großen Traditionen der Leinen- und Seidenweberei, die bis in die Anfänge des 12. Jh. zurückreichen. Ein für die Geschichte und den Charakter der Ortschaft entscheidendes Ereignis war die Stiftung eines Benediktinerinnenklosters und seine Belehnung mit den umliegenden Gebieten (Jutta von Liebenthal, 178). Infolge dessen stellte die1291 als Stadt ausgesetzte Siedlung das Eigentum und die Hauptquelle der klösterlichen Einnahmen bis zur Kassation 1810 dar. Ein Andenken daran ist der Monumentalbau der Klosteranlage, zu der auch eine der Barockperlen Schlesiens gehört – die St. Maternuskirche.

Luftbild der Innenstadt

In der Neuzeit wurde Liebenthal zu einem der größeren Wollgarnspinnerei-Zentren in der Region. In der Stadt wurde einer der bedeutendsten Garnmärkte Schlesiens abgehalten, sodass die Waren von dort nach ganz Europa gingen. Bevor der Rohstoff jedoch beim Abnehmer ankam, wurde er am Ort einem langwierigen und komplizierten Reinigungs- und Aufbereitungszyklus unterworfen, danach erfolgte das Spinnen und das Aufwickeln des Garns. Das Zerzupfen, Auskämmen und Krempeln des Vlieses fand im Freien statt. Die Arbeitsgeräte waren Bürsten, Kämme und Karden. Die Krempel oder Karden waren eine Art doppelter Striegel mit vielen ins Leder eingeschlagenen eisernen Häkchen. Gesponnen wurde mit hölzernen Spindeln. Erst im 19. Jh. verbreiteten sich mit Pedalen angetriebene Spinnräder. Der gesponnene Faden wurde mit Hilfe von Garnträgern und Garnhaspeln aufgewickelt.

Innenraum der St.-Maternuskirche

Die Blütezeit der Garnspinnerei endete im 19. Jh., als sich Bekleidungsindustrie in größeren Industriezentren entwickelte. Daraufhin kam es zur Stagnation und zum Niedergang der Stadt.

Ausstellungsraum im Museum
Detail der Exposition