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Das Denkmal der „Verschollenen Patrioten“ in Paseky nad Jizerou

Das ehemalige Pfarramt, heute das Gebäude des Riesengebirgsmuseums – Das Denkmal der „Verschollenen Patrioten“

Das Denkmal der „Verschollenen Patrioten“ in Paseky nad Jizerou (Pasek an der Iser) ist im Gebäude des ehemaligen Pfarramtes untergebracht. Dieses befindet sich in der Nachbarschaft der Kirche des hl. Wenzels vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Stechbeitel zum Geigenbau und die Geigen von Věnceslav Metelka, dem Gründer der Riesengebirgs-Geigenbauschule

Neben einer Regionalexposition, die sich mit der Gemeinde Paseky n. J. und deren nächster Umgebung befasst, bietet das Museum einen Blick in eine komplett ausgestattete Drechslerwerkstatt vom Ende des 19. Jahrhunderts, ein Modell des Webens auf einem Webstuhl, das Einfädeln von Glasperlen und eine ständige Ausstellung der Riesengebirgs-Geigenbauschule.

Die Stechbeitel zum Geigenbau und die Geigen von Věnceslav Metelka, dem Gründer der Riesengebirgs-Geigenbauschule

Die Entwicklung des Drechselns begann in Paseky n. J. um die Hälfte des 19. Jahrhunderts, als hier viele Drechslerwerkstätten gegründet wurden. Aus Weich- und Hartholz wurden diverse Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs im Haus und Hof, Werkzeuge für Handwerker und die Textilindustrie, Perlen, Perlen für Rosenkränze, Knöpfe, Pipen, Dosen für Apotheken etc. hergestellt.

Die „Korallenmaschine“ und ein Spulengatter, das beim Perlenauffädeln benutzt wurde

Die Weberei hat in Paseky n. J. eine langjährige Tradition. Wahrscheinlich schon ab Ende des 17. Jahrhunderts wurde zu Hause auf den manuellen Webstühlen Leinen gewebt, zuerst für den eigenen Gebrauch und als Ware für den Jahrmarkt, später dann für die Faktoren – Warenvermittler für größere Unternehmen. Die traditionelle Produktion führen die Museumführerinnen in der Exposition der Verschollenen Patrioten auf zwei Webstühlen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts vor – einem Schützenwebstuhl für Leinen und einem Teppichwebstuhl. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in der Gemeinde einige mechanischen Webereibetriebe gegründet, meistens schon mit Jacquardwebstühlen, welche es schon ermöglichten, verschiedene Muster in das Damastgewebe – Tischtücher, Hand- und Geschirrtücher, Bettbezüge usw. – einzuweben.

Einblick in die Drechslerwerkstatt in der Museumsexposition – Tretdrechslerbank und Drechslerwerkzeuge vom Ende des 19. Jahrhunderts

Dank der Konjunktur der Gablonzer Glasbijouterie ab Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts verbreitete sich aus der Gablonzer Region eine neue Art der Hausarbeit in das West- und Mittelriesengebirge – Hacken (Sprengen) und Auffädeln von Glasperlen. Während das Hacken bald durch Maschinen ersetzt wurde, befassen sich noch heute, wenn auch nur sporadisch, einige Frauen mit dem Auffädeln, um ihr Einkommen etwas aufzubessern. Anfangs wurden die Perlen auf einen Fächer aus dünnen Nadeln aus einem Kästchen, dem sog. „Trögchen,“ aufgefädelt. Später wurde die Arbeit teilweise durch umgebaute Nähmaschinen – sog. „Korallenmaschinen“ – mechanisiert. Ein Fußpedal trieb eine kreisförmige Scheibe mit einer mit winzigen Perlen gefüllten Blechschüssel – dem sog. „Schmelz“ –an, die dann selber die Perlen auf die Nadeln auffädelte. Die Fäden mit Perlen wurden dann in Bündel gewickelt und so als Halbfabrikat an die Faktoren abgegeben. In den meisten Fällen wurden sie dann nach Asien, Afrika und Amerika exportiert, als Material zum Sticken und für die Bijouterieherstellung.

Manuelle Webstühle aus der 2.Hälfte des19. Jahrhunderts – ein Schützenwebstuhl und ein Teppichwebstuhl – auf denen im Museum die Webtechniken vorgeführt werden

Eine ständige Exposition der Riesengebirgs-Geigenbauschule zeigt Paseky als eine Wiege des Riesengebirgsgeigenbaus, mit dessen Gründer, Věnceslav Metelka, an der Spitze. Věnceslav Metelka, hiesiger schreibender Dorfphilosoph, Geigenbauer und Hilfslehrer, ist auch als Kantor Čermák aus dem Roman von K. V. Rais „Verschollene Patrioten“ bekannt. Eine einzigartige Sammlung von Musikinstrumenten umfasst auch die Arbeiten der ersten Pasekyer Geigenbauer und deren Schüler bis zu zeitgenössischen Geigenbauern aus den bekannten Familien Pilař und Špindlen.