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Carl- und Gerhart-Hauptmann-Haus in Schreiberhau - Abteilung des Riesengebirgsmuseums in Hirschberg

Die ehemalige Josephinenhütte

Die Abteilung des Riesengebirgsmuseums in Szklarska Poręba wurde 1995 eingerichtet. Es befindet sich in dem stilvollen Haus, das ab 1890 den Brüdern Carl und Gerhart Hauptmann gehörte. Das Charisma der beiden herausragenden Schriftsteller bewirkte, dass sich um ihr Haus eine aktive Künstlerkolonie bildete, die nach 1922 die Künstlervereinigung St. Lukas in Schreiberhau gründete. Die museale Dauerausstellung bringt dem Besucher sowohl die Persönlichkeiten der Villenbesitzer als auch das Leben der ansässigen Künstler vor und nach 1945 näher. Die Ausstellung enthält auch in Schreiberhau hergestellte künstlerisch gestaltete Glasgegenstände. Die Geschichte der Ortschaft ist nämlich seit ihrer Entstehung neben dem Schürfen nach Erzen und Edelsteinen mit der Glasmachrei verbunden. Die erste Glashütte, zugleich die erste in den Sudeten, entstand hier um die Mitte des 14 Jh. Die Entwicklung dieses Industriezweiges im Siebenhäusertal (Czeska Struga) wurden durch den Reichtum an erforderlichen Rohstoffen begünstigt – Quarz und Buchenholz. Die raubbaumäßige Nutzung beider Rohstoffe ließ die Glashütte in immer höhere Partien des Gebirges „wandern“. Das war kostengünstiger als die Beförderung der Rohstoffe. In den mittelalterlichen Glashütten erzeugte man das grüne Waldglas (vitrum silvestre) oder Bergglas (vitrum montanum). Es war nicht ganz durchsichtig wegen seiner Ascheeinschüsse, vieler Luftbläschen und seiner leicht grünen Farbe. Daher auch der weitere Name Grünglas.

Otto Rothkirch, Innere der Josephinenhűtte in Schreiberhau, 1916, Leinwand, Ől

Die rasch wachsende Beliebtheit der Schreiberhauer Erzeugnisse war für die Familie von Schaffgotsch – die Besitzer der Gegend – der Anstoß zum Bau weiterer Glashütten. Im Jahre 1775 entstand im Siebenhäusertal die erste Glashütte der Neuzeit, die Hans Friedrich Bedřich leitete. 1617 folgte die von Wolfgang Preussler angelegte Hütte im Weißbachtal (Biała Dolina) und 1754 die Glashütte Karlstal in Karlstal (Orle). Anfänglich arbeiteten in der Ortschaft zwei Glashütten und 26 Schleifereien. Die meisten Einwohner waren bei der Glasproduktion beschäftigt.

Das Carl- und Gerhart Hauptmann-Haus, heute Museum

1841 nahm die größte und in der Geschichte der Stadt berühmteste Glashütte den Betrieb auf – die „Josephinenhütte“. Sie arbeitete bis 1945. Danach nahm sie die Produktion als „Huta Julia“ wieder auf. Das Werk war weltberühmt dank seinen exklusiven und äußerst vielfältigen Erzeugnissen aus Kristallglas. Oft aus in der Glasmasse getöntem Rubin-, Alabaster- oder Kobaltglas geformt, wurden sie mit Schliff, Stichen oder Gravierungen reich verziert – ganz nach den im Trend liegenden Kunstströmungen. Der Ruhm der Kristallglashütte wurde durch die Teilnahme des Werkes an Welt-Industrieausstellungen in London, Paris und Wien noch stärker geprägt.

Glasgefäß, Schlesien, II. Hälfte des 19. Jh.
Glasgefäß, Schlesien, II. Hälfte des 19. Jh.
Glasgefäß, Schlesien, II. Hälfte des 19. Jh.
Karaffe mit Stöpsel, Schlesien, II. Hälfte des 19. Jh.
Die Bűste von Carl Hauptmann, Holz,
Cyrillo dell’ Antonio, um 1920.
Kelch aus Jodhpur-Glas,
Schreiberhau, Josephinenhütte,
II. Hälfte des 19. Jh.