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Touristeninformation in Wleń (Lähn)

„Paedagogium” – die Eppnersche Uhrenfabrik – Ansichtskarte vom Anfang des 20. Jh.

Als eine der ältesten niederschlesischen Städte erhielt Wleń/Lähn das Stadtrecht in der ersten Hälfte des 13. Jh. (vielleicht sogar bereits 1214). Seine Aussetzung stand mit der nahe gelegenen, festen Lehnhausburg in Verbindung. Schon für das elfte Jh. belegt, erfüllte Lehnhaus ab der Mitte des12. Jh. die Funktion einer Kastellanei. Die Burgruine ist heutzutage die wichtigste Touristenattraktion der Ortschaft. Die Siedlung entwickelte sich dynamisch bis zum Ende des 16. Jh. und war ein wichtiges Handelszentrum. Die Stadt besaß das Privileg des Salzhandels und ab 1501 das Ausschließlichkeitsrecht Taubemärkte abzuhalten, die zu ihrem Aushängeschild wurden. An die Taubenmärkte erinnert das 1914 gestiftete und auf dem Ring von Lähn aufgestellte Denkmal einer Taubenzüchterin. Die Neuzeit erwies sich für Lähn weit weniger günstig. Im Dreißigjährigen Krieg, in den Schlesischen Kriegen und den Napoleonischen Kriegen wurde die Stadt vollständig zerstört. Die mittelalterliche Burg wurde zur Ruine. Erst im 19. Jh. began sich die Stadt von ihrem Niedergang zu erholen. Obwohl Lähn nicht im Stande war, mit dem wesentlich stärkeren Hirschberg zu konkurrieren, versuchte man hier die Garnspinnerei zu entwickeln.

Das restaurierte Schloss Lehnhaus

Ein Lähner Betrieb von internationalem Ruf wurde die 1850 von den Gebrüdern Eduard, Wilhelm und Albert Eppner gegründete Uhrenfabrik. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten, wuchs die Fabrik dynamisch und beschäftigte 1853 bereits 42 Arbeiter. Im Jahre 1856 erhielt Eduard Eppner nach seiner Audienz bei König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen den Titel eines Königlichen Hoflieferanten und Hof-Uhrmachers. Die königliche Gönnerschaft war nicht nur Eppners Ruf förderlich, sondern brachte ihm auch jeden Monat eine recht hohe Dotation ein. Im gleichen Jahr wurden in der Fabrik Schweizer Fachleute eingestellt, was eine erhöhte Qualität und Genauigkeit der Uhrwerke zur Folge hatte. Die Produktion stieg von Jahr zu Jahr. Das Sortiment wurde im ganzen Land immer mehr geschätzt. Neben silbernen und goldenen Taschenuhren wurden auch mit Brillanten besetzte Damenuhren hergestellt, ferner spezielle Uhren für Bahnschaffner und Postkutschen, Wanduhren mit Pendel und Turmuhren. Zu Beginn der sechziger Jahre des 19. Jh. erteilte das Marineministerium Eppner den Auftrag, eine große Anzahl von Chronometern für Schiffe herzustellen. Die Firma besaß in allen größeren preußischen Städten Niederlassungen und bezeichnete sich in der Werbung als erste und einzige Uhrenfabrik im Lande. Die Fabrik exportierte ihre Erzeugnisse u. a. nach Russland, England, Ägypten, Brasilien und in die USA. 1862 wurde bei der Fabrik eine zweijährige Fachschule gegründet, die Uhrmacher ausbildete.

Das Denkmal
der Taubenzüchterin von 1914

Die Glanzzeit der Fabrik endete so rasch, wie sie gekommen war. Gegen ende der sechziger Jahre entstand in Görlitz ein Konkurrenzbetrieb, der die qualifizierten Arbeiter aus Lähn mit höheren Löhnen abwarb. Angesichts der drohenden Pleite (1868-1872) wurde die Uhrenfabrik nach Silberberg verlegt. Das einzige Andenken an die Uhrmacher-Glazzeit Lähns ist die Rathausuhr – das Werk des siebzehnjährigen Johann Gottlieb Becker, der nach Abschluss der Lähner Uhrmacherschule in der Eppnerschen Fabrik tätig war.